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Stiftung Warentest
Qualitätsware Weiterbildungsangebot?

Seit genau 50 Jahren untersucht die Stiftung Warentest Matratzen, Digitalkameras, Waschmittel und Weiteres und wurde damit zu einer Verbraucher-Institution. Doch die Berliner Warentester überprüfen seit zwölf Jahren auch Weiterbildungsangebote.

Von Philip Banse |
    Leider liegt für dieses Bild keine Bildbeschreibung vor
    Der Eingang des Sitzes der Stiftung Warentest am Lützowplatz im Berliner Ortsteil Tiergarten im Bezirk Mitte. (picture alliance / dpa / Jens Kalaene)
    "Persönlichkeitstests gibt es im Internet zuhauf. Verlage, Universitäten und Consultingfirmen bieten sie an."
    Der Podcast der Stiftung Warentest greift die jüngste Untersuchung des Teams Weiterbildung auf: Persönlichkeitstests. Von zehn Tests waren nur zwei gut, sagt der wissenschaftliche Leiter des Teams Weiterbildung, Michael Cordes:
    "Die beiden guten Tests haben dadurch überzeugt, dass sie ein gutes wissenschaftliches Konzept hatten. Alles war alles sehr sauber und erprobt.
    Elf Journalisten, Wissenschaftler und Sachbearbeiter untersuchen bei der Stiftung Warentest die Qualität von Weiterbildungsangeboten, die der Karriere dienen, aber außerhalb des Betriebs stattfinden und auch selbst bezahlt werden müssen. Getestet wird alles von Sprachreisen über Buchhaltungs-, EDV- und Excel-Kurse, sagt Alrun Jappe, journalistische Leiterin im Team Weiterbildung.
    "Wir stellen bei uns immer fest, dass ein besonders großes Interesse bei Sprachen ist, also Englisch-Lernen schlicht. Das liegt sicher auch daran, dass das eben Angebote sind, die von Selbstzahlern wahrgenommen werden, während viele andere Dinge dann auch vom Arbeitgeber bezahlt werden."
    Testdauer von bis zu 1,5 Jahre
    Die Tests können bis zu anderthalb Jahre dauern. Denn in jeden der untersuchten Kurse würden Test-Teilnehmer geschickt, die akribisch mitschrieben, oft monatelang. So wurde die Stiftung Warentest zur Anlaufstelle für Wissensdurstige, Alrun Jappe spürt: In einer immer unübersichtlicheren Bildungslandschaft steigt das Interesse an den Weiterbildungbildtests.
    "Das steigt von Jahr zu Jahr erfreulicherweise. So wie das Thema Weiterbildung gesamtgesellschaftlich immer wichtiger wird."
    Weiterbildungsangebote im Internet werden immer populärer. Hier wählen sich Kursteilnehmer selbstbestimmt und oft umsonst Internet-Kurse aus: Vorlesung per Video, Diskussion per Chart, Aufgaben im Browser - mitunter betreut von Nobelpreisträgern amerikanischer Elite-Universitäten oder Musik-Professoren des "Berkley College of Music".
    "And then after you have learned that maybe a couple of other scales like the chromatic scale."
    "Also das wird immer vielfältiger die unterschiedlichen Lernformen und jeder muss natürlich für sich herausfinden: Mit welcher Lernform lerne ich denn am besten? Der eine kann sich gut zu Hause disziplinieren und wirklich mal so ein Programm durchgehen und lernen; der andere braucht einfach den Austausch vor Ort. Aber darauf reagieren die Anbieter und bieten häufig Mischformen an, das sogenannte Blended Learning."
    Dabei treffe sich Teilnehmer von Online-Kursen auch persönlich zu Lerneinheiten. Bei aller Vielfalt - gute und schlechte Weiterbildungsangebote unterscheiden sich stets in der selben Disziplin, sagt Alrun Jappe:
    "Was wir immer wieder feststellen, woran das häufig hapert, ist Letztenendes die Didaktik. Die Inhalte sind nicht immer, aber meistens doch ganz ok, die da vermittelt werden. Das Problem ist schlichtweg, dass die meisten Trainer keine pädagogische Ausbildung haben, das heißt, die denken: Ok, ich habe eine Menge wissen, das will ich jetzt weiter geben und das endet oft in so völlig langweiligen, urlangen Vorträgen, wo die Teilnehmer, egal wie interessant der Stoff ist, einfach einschlafen. Wir sagen immer, damit das Gelernte hängen bleibt und in der Praxis auch angewendet werden kann, muss es Rollenspiele geben, muss es Übungen geben, muss es Abwechslung geben in der Gruppe. Und das findet eben ganz oft nicht statt."
    Unterricht darf nicht "crap" sein
    Aber auch auf der abwechslungsreichsten Sprachreise bleibt nur Positives hängen, wenn die Unterbringung nicht - ja, merde, govno oder einfach crap ist.
    "Da hatten wir dann schon Geschichten, wo die Kursteilnehmer in der Garage untergebracht worden sind, die nur mit der Stoppuhr duschen durften, wo keine Heizung war, obwohl Winter war. Das sind sicher ganz krasse Fälle, die uns begegnet sind."