Ein Piratensender in Saudi-Arabien stellt den Fußball-Weltverband FIFA vor wachsende Probleme. Das Netzwerk BeoutQ kopiert seit WM-Beginn die exklusiven Übertragungen des in Katar ansässigen Senders beIN Sports, der die Turnierrechte für hunderte Millionen Dollar erworben hatte. Diese Rechte-Raubzüge musste die FIFA gleich nach dem Eröffnungsspiel einräumen. Sie kündigte an, alle Optionen dagegen zu prüfen, doch Insider halten das für leere Drohungen.
FIFA-Boss Gianni Infantino ist eng mit den Machthabern und Investoren in Riad verbunden, diese wiederum führen einen Boykott von Golf-Ländern gegen Katar an. Deshalb werden nun schon seit Herbst 2017 hochwertige Senderechte von beIN Sports illegal abgegriffen, darunter die Champions League und die englische Premier League.
Auch spanischsprachige Sender beklagen Diebstahl
Jetzt erreicht der Streit um das Piraten-Netzwerk einen kritischen Punkt. Telemundo, der spanischsprachige Ableger des US-Senders NBC Universal, beklagt ebenfalls den Diebstahl exklusiver WM-Bilderrechte. Auch der Sender erklärt, BeoutQ zapfe Live-Übertragungen ab und strahle sie über den saudischen Satellitensender Arabsat aus.
Man nehme Verletzungen des geistigen Eigentums sehr ernst, teilte NBC Universal mit, und wolle mithilfe der FIFA die eigenen Rechte schützen. Immerhin zahlt NBC Universal dem Weltverband für die WM 2018 und 2022 im spanischsprachigen US-Raum 600 Millionen Dollar.
Nach der WM droht eine Klagewelle
Während die europäische Fußball-Union UEFA bereits im Mai amerikanische Fachanwälte an den Fall gesetzt hat, sah die FIFA dem Treiben bisher offenkundig untätig zu. Sollten die Raubkopierer in Riad auch Rechte im amerikanischen Raum abgreifen, könnte dies gefährlich für die FIFA werden.
Ihre Rechtehalter müssen sich fragen, ob sie noch geschützt sind, wenn solche Angriffe auf ihre Ware mit politischem Interessen der Fifa kollidieren. Überdies schaut die US-Justiz seit zwei Jahren zunehmend kritisch auf die Rolle, die Infantinos FIFA im Weltfußball spielt. Gesichert erscheint schon eines: Nach der WM droht eine Klagewelle von Rechtehaltern.