Reaktor 1 des belgischen Atomkraftwerks Tihange bei Lüttich soll voraussichtlich am Samstag wieder hochgefahren werden, sagte Anne-Sophie Hugé, Sprecherin der Betreiberfirma Electrabel: "Vor einer Woche hatte sich der Reaktor automatisch abgeschaltet, nachdem es einen Brand in einer technischen Schalttafel gegeben hatte. Wir haben ein defektes Bauteil in der Schalttafel entdeckt", sagt die Unternehmenssprecherin. "Diese Schalttafel befindet sich nicht im Reaktorbereich, sondern im nicht-nuklearen Teil der Anlage. Das Atomkraftwerk Tihange ist sicher", meint Anne-Sophie Hugé von Electrabel. Das hätten verschiedene belgische Behörden bestätigt. "Darüber hinaus habe sich die belgische Atomaufsichtsbehörde damit einverstanden erklärt, dass die Laufzeit von Tihange eins um zehn Jahre verlängert wird – bis 2025", so Hugé.
Kein Vertrauen in das Kraftwerk
In Deutschland sehen das viele ganz anders: Vor allem Menschen, die in der Grenzregion leben. Sie trauen Tihange 1 nicht, denn er ist mit vierzig Jahren der älteste der drei Reaktoren des Atomkraftwerks. Die Pannenserie des Kernkraftwerks ist erschreckend, sagt Jörg Schellenberg vom Aachener Anti-Atom-Bündnis: "Ein mit Rissen durchsetzter Reaktorreaktor-Druckbehälter. Personal, was nicht richtig geschult ist. Ständig muss der Reaktor runtergefahren werden, weil es irgendwo wieder Brände gibt. Es ist einfach Ausdruck von einem mangelnden Sicherheitsverständnis."
Zweifel an Sicherheitsbestimmungen
Auch die Bundesregierung ist skeptisch, ob die belgischen Atomkraftwerke Tihange bei Lüttich und Doel bei Antwerpen den Sicherheitsbestimmungen entsprechen. Bundesumweltministerin Hendricks von der SPD hat angekündigt, es solle Anfang Januar ein Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht geben. Umweltschützer Jörg Schellenberg geht noch einen Schritt weiter: "Hier müsste auf EU-Ebene eine Entscheidung her, dass ein solches Atomkraftwerk nicht mehr weiterbetrieben werden darf."
Immerhin würden Millionen Menschen in der Grenzregion Belgien, Deutschland und Niederlande dadurch gefährdet. Doch die Energieversorgung in der EU ist klar geregelt: Jedes Land entscheidet selbst darüber. Danach wäre also die belgische Regierung am Zug.