DIW-Chef Fratzscher
"Union und SPD für Erstarken der AfD verantwortlich"

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Fratzscher, macht CDU, CSU und SPD für steigende AfD-Umfragewerte verantwortlich. Die derzeitigen Koalitionsgespräche zeigten, dass es Union und Sozialdemokraten "an Mut und einem klaren Kompass" mangele, sagte der Ökonom dem "Handelsblatt".

    Eine Nahaufnahme von Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung
    Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) (picture alliance / Metodi Popow / M. Popow)
    Die angestrebten großen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung hätten Erwartungen für einen "wirklichen Kurswechsel" geschürt, die nun enttäuscht würden.
    Konkret kritisierte der DIW-Chef: "Union und SPD scheint es vor allem um die Wahrung von Besitzständen und dem Schutz der eigenen Wählerklientel zu gehen, anstelle notwendige Reformen auf den Weg zu bringen." Deutschland brauche jetzt aber grundlegende Reformen bei Bürokratie, Regulierung, Innovation, Bildung, Föderalismus und Migration. Fratzscher fügte hinzu, die bisherigen Resultate der Koalitionsverhandlungen stünden dazu im starken Kontrast, "da sie eine Fortsetzung des Kurses der letzten 20 Jahre bedeuten und damit wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stillstand".
    In einer am Dienstag von RTL und ntv veröffentlichten Forsa-Umfrage war die AfD fast an die Union herangerückt: CDU/CSU kamen demnach auf 25 Prozent, die AfD auf 24 Prozent.
    Die weiteren Werte: Die SPD verliert ebenfalls Punkte und kommt auf 15 Prozent (16,4 bei der Bundestagswahl). Die Grünen erreichen 12 Prozent (11,6). Weiter zulegen kann die Linke, die bei der Wahl bereits mit einem hohen Ergebnis überrascht hatte. Sie kommt in der Umfrage auf nunmehr 10 Prozent (8,8).
    Diese Nachricht wurde am 02.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.