Medientage Mitteldeutschland
Unzureichende und klischeebehaftete Darstellung Ostdeutschlands in den Medien beklagt

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Haseloff hat eine unzureichende und klischeebehaftete Darstellung Ostdeutschlands in den Medien beklagt. Der Ossi als Bevölkerungsgruppe werde vom Rest der Deutschen abgegrenzt, machte er bei den Medientagen Mitteldeutschland in Leipzig deutlich.

    Auf dem Fernsehbildschirm ist die ZDF-Mediathek zu sehen.
    In Leipzig finden derzeit die Medientage Mitteldeutschland statt. (picture alliance/dpa | Marius Becker)
    Der CDU-Politiker sieht in der Berichterstattung über den Osten keine Veränderungen in den vergangenen Jahren. Stattdessen sei es eher schlimmer geworden.
    Kritik übte Haseloff auch daran, dass kein Medien seinen Konzernsitz in Ostdeutschland habe. Den MDR nahm er zwar aus, meinte aber, dass dessen Programm in der Sendergemeinschaft ARD oft untergehe - und damit die Akzeptanz im Osten weiter untergrabe.

    Einseitig westdeutsche Sichtweisen

    Der Leipziger Literaturwissenschaftler Dirk Oschmann kritisierte eine westdeutsche Dominanz im Diskurs über Ostdeutschland. Dabei ging es um Titelseiten mit Schlagzeilen wie "Der Schandfleck" neben einer weißen Deutschlandkarte, die Sachsen wegen Ausschreitungen gegen Flüchtlinge braun eingefärbt zeigt. Oder um Schlagzeilen wie "Steuer-Opfer für den Osten. Wieviel denn noch?" und: "Wunderjahre: Wie der Wirtschaftsboom nach 1945 'unser' Land geprägt hat."
    Das sogenannte Wirtschaftswunder ist das Schlagwort zur Beschreibung des westdeutschen Aufschwungs in den 50er Jahren.

    Berichte ohne Vorurteile gefordert

    Oschmann meinte zusammenfassend, es würden immer noch Strategien gepflegt, die den Osten diffamierten oder ignorierten. Er selbst ist durch das Buch "Der Osten: eine westdeutsche Erfindung" bundesweit bekannt geworden.
    Er schlug vor, in Zukunft lebensnahe Berichte über die Lebenswirklichkeit der Menschen geben solle. Die Leiterin des Spiegel-Hauptstadtbüros, Maria Fiedler, wies darauf hin, dass sich ihre Redaktion in der Frage durchaus weiterentwickelt habe. "Wir haben tolle Kolleginnen und Kollegen, die im Osten leben und von dort berichten".

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    Diese Nachricht wurde am 03.04.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.