Kairo
Verhandlungen über zweite Phase der Waffenruhe im Gazastreifen begonnen - Schwierige Ausgangslage

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo haben Verhandlungen über die zweite Phase des Waffenruhe-Abkommens zwischen Israel und der Terrororganisation Hamas begonnen. Es handele sich um intensive Gespräche, hieß es von ägyptischer Seite. Beteiligt sind Vertreter aus Israel, Katar und den USA. Die erste Phase endet offiziell morgen.

    Menschen gehen auf einer unbefestigten Straße an völlig zerstörten Gebäuden vorbei.
    Was wird aus der Waffenruhe im weitgehend zerstörten Gazastreifen? Am Samstag geht die erste Phase des Waffenruhe-Abkommens zu Ende. Die Verhandlungen über die zweite Phase haben noch nicht begonnen. (AFP / BASHAR TALEB)
    Die Waffen sollen jedoch gemäß den bisherigen Vereinbarungen auch darüber hinaus schweigen, solange Verhandlungen über eine zweite Phase laufen. Es müsse alles dafür getan werden, dass die Waffenruhe andauere, sagte der britische Premierminister Starmer während seines Besuches bei US-Präsident Trump.

    Gespräche über Fortsetzung der Waffenruhe 

    Ägypten vermittelt gemeinsam mit Katar und den USA in dem Konflikt, da Israel und die Hamas nicht direkt miteinander reden. Die Vermittler drängten derzeit darauf, die erste Phase der Waffenruhe zu verlängern, während heiklere Fragen auf später verschoben werden sollen, berichtete das "Wall Street Journal". Die Gespräche konzentrierten sich darauf, einen zusätzlichen Austausch toter oder lebender israelischer Geiseln gegen weitere palästinensische Häftlinge zu arrangieren, hieß es. Es seien jedoch noch keine Einigungen erzielt worden.

    Israel und Hamas erfüllen Verpflichtungen aus erster Phase

    Die Terrororganisation Hamas hat 33 Geiseln, darunter acht Tote übergeben. Damit hat sie die Vereinbarungen für die erste Phase der Waffenruhe erfüllt. Nach der Identifizierung der letzten vier Toten ließ Israel mehr als 600 weitere palästinensische Häftlinge frei, darunter Frauen und Minderjährige. Israel hatte die Freilassung aus Ärger über die entwürdigenden Inszenierungen bei den Geisel-Übergaben der Hamas zunächst verzögert. 

    Israel will Truppen in Teilen des Gazastreifens lassen

    Nun befinden sich noch 59 verschleppte Israelis im abgeriegelten Gazastreifen, wobei vermutlich nur noch 27 am Leben sind. Die Lebenden sollen in einer zweiten Phase freikommen. Israels Truppen sollen wiederum aus dem Küstengebiet abziehen und der Krieg dauerhaft beendet werden. Das aber lehnen die rechtsextremen Koalitionspartner des israelischen Regierungschefs Netanjahu ab. Sie fordern, dass die Hamas vollständig vernichtet wird.
    Die Hamas bekräftigte, dass sie die verbleibenden Geiseln nur freigeben werde, wenn sich Israel an die Vereinbarungen halte und Gespräche über die zweite Phase der Waffenruhe aufnehme. Eine dritte Phase sieht einen Wiederaufbau des weitgehend zerstörten Gazastreifens und eine alternative Regierung ohne Beteiligung der Hamas vor. Wie es jedoch vorerst weitergeht, ist ungewiss. 
    Die Regierung in Jerusalem teilte nicht mit, worüber die israelischen Vertreter bei den Gesprächen in Kairo verhandeln sollen und welche Vollmachten sie haben. Unbestätigten israelischen Medienberichten zufolge könnte die israelische Regierung zunächst eine Verlängerung der ersten Phase des Abkommens anstreben und die Freilassung weiterer Geiseln verlangen.

    Starmer: Zweistaatenlösung nach Gaza-Krieg einziger Weg

    Starmer beschrieb unterdessen beim Treffen mit Trump eine Zweistaatenlösung als den einzigen Weg "für einen dauerhaften Frieden" nach Ende des Krieges. Im Gegensatz zu früheren Aussagen Trumps betonte der britische Premier, den Palästinensern müsse die Rückkehr und der Wiederaufbau ihres Lebens ermöglicht werden. "Wir alle müssen sie dabei unterstützen", sagte Starmer. 
    Trump hatte vor einigen Wochen vorgeschlagen, die rund zwei Millionen palästinensischen Bewohner und Bewohnerinnen des Gazastreifens in andere arabische Staaten "umzusiedeln" und das zerstörte Küstengebiet unter Kontrolle der USA in eine wirtschaftlich florierende "Riviera des Nahen Ostens" zu verwandeln. International stießen diese Aussagen auf heftige Kritik. Eine Zwangsumsiedlung würde Experten zufolge gegen das Völkerrecht verstoßen.
    Diese Nachricht wurde am 28.02.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.