Fußball
„Völlig absurde Idee“: Vorschlag für 64 Teams bei WM 2030 stößt in deutschen Medien auf Ablehnung

Ein Vorstoß, die Teilnehmerzahl der Fußball-WM 2030 noch einmal auf dann 64 Nationen aufzustocken, stößt in deutschen Medien überwiegend auf Ablehnung. Der Vorschlag war auf der jüngsten Sitzung des FIFA-Councils von Urugauy, einem der Ausrichterstaaten, eingebracht worden, wie der Fußball-Weltverband bestätigte.

    Hinter dem brauen Holztisch stehen weitere Fußball-Offizielle. dahinter eine blaue LED-Wand mit dem Logo der WM und den Fahne der Teilnehmerstaaten.
    Präsentation der Pläne für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030. Am Tisch zweiter von rechts: Der Präsident des Fußball-Weltverbandes FIFA, Giovanni Infantino. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Jorge Saenz)
    Der „Stern“ spricht von einer „völlig absurden Idee“ und schreibt sarkastisch: „Bei einer Weltmeisterschaft sollten sich die besten Mannschaften messen. Bei 64 Startern bekommt man aber schnell den Eindruck, jede noch so kleine Fußballnation, die elf Spieler und einen Trainer aufgestellt bekommt, erhält ein Ticket zur WM. Worüber reden wir hier? Vom größten Fußballturnier der Welt? Oder vom F-Jugend-Bratwurst-Cup in Holzwickede? Teilnehmerurkunde, ick hör dir trapsen!“. Und weiter heißt es: „Wenn der Weltverband ehrlich wäre, würde er sagen: 64 Mannschaften bedeuten mehr Spiele, also mehr TV-Übertragungen, also mehr Geld – für uns. Es ist eine weitere Episode aus der Serie ‚Wir kriegen den Hals nicht voll‘.

    „Qualifikation fast überflüssig“

    Kritik kommt auch von der Nachrichtenagentur sid, die schreibt: „Eine derartige Erhöhung würde die Qualifikationswettbewerbe in Südamerika fast überflüssig und in Europa deutlich bedeutungsloser machen. Viele Fragen zum Thema Nachhaltigkeit sind dazu durch die Austragung in sechs Ländern ohnehin offen – und dürften noch dringlicher werden.“
    Ähnliche Bedenken werden auf der Seite der ARD-„Sportschau“ geäußert: „Je mehr Teams sicher bei der WM dabei sind, um so weniger ansprechend wird die Qualifikation für Fans und TV-Sender – der kommerzielle Wert könnte sinken.“

    „Halbmutiger Zwischenschritt“

    Es gibt aber auch eine Stimme, die den Vorstoß verteidigt: Die Sport-Websitze „Spox“ weist Kritik an einer zusätzlichen Belastung der Spieler durch eine solche Mammut-WM zurück: „Die Belastung wird auch im neuen Format nicht zunehmen, noch immer sind es maximal sieben Spiele, um am Ende den WM-Pokal in die Höhe zu stemmen. „Spox“ spricht allerdings von einem „nur halb-mutigen Zwischenschritt auf dem Weg zu einer echten Reform des ohnehin angestaubten WM-Modus“. Die Seite befürwortet zwar die Zahl von 64 Mannschaften, schlägt aber eine WM ohne Gruppenhase vor, bei der es stattdessen eine Setzliste mit K.O-Spielen wie beim Tennis gibt. Dies, so „Spox“, wäre ein wirklich großer Schritt für die fußballverrückte Welt.

    Weltverband prüft Vorschlag

    Vom Weltverband hieß es nach dem Vorstoß Uruguays lediglich, die FIFA sei verpflichtet, jeden Vorschlag eines seiner Council-Mitglieder zu prüfen. Schon für die nächste Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko war die Zahl der Teilnehmer von bislang 32 auf 48 aufgestockt worden. Die WM 2030 hatte die FIFA nach Spanien, Marokko und Portugal sowie für jeweils ein Eröffnungsspiel nach Argentinien, Paraguay und Uruguay vergeben. In Südamerika wird zum Auftakt wegen des 100-Jahre-Jubiläums der WM-Turniere gespielt. 
    Schon jetzt gilt das Turnier auf drei Kontinenten als höchst komplex und von womöglich fragwürdigem sportlichem Wert.
    Diese Nachricht wurde am 08.03.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.