Vor der Gründung Washington D.C.s traf sich der US-Kongress zwischen 1776 und 1800 an unterschiedlichen Orten, heißt es bei der "Historical Society of Washington, D.C.". Zu groß die Kontroverse darüber, wo der Regierungssitz zu sein habe.
Von 1790 bis 1800 war es Philadelphia. 1790 beauftragte der Kongress den Präsidenten George Washington, einen geeigneten Platz für den Bundesregierungssitz am Potomac River zu suchen. Washington wählte eine 10 mal 10 Meilen große Region in Maryland und Virginia, der künftige District of Columbia - benannt nach Kolumbus, die Stadt selbst nach dem Präsidenten. Im Juni 1801 war der Regierungsumzug von Philadelphia nach Washington abgeschlossen.
Die Bürger Washingtons durften lange nicht den US-Präsidenten wählen
Als Nicht-Bundesstaat, sondern vom US-Kongress kontrollierter Regierungssitz, durften die Bürger lange nicht den Präsidenten mitwählen, schreibt die "Historical Society of Washington, D.C.". Erst seit 1964 ist das der Fall - die Zahl der Stimmen gleicht der des kleinsten Bundesstaates unabhängig von der Größe der Bevölkerung. Im Repräsentantenhaus und Senat haben die Einwohner der Stadt keine Stimmrechte.
Bundessteuern "dürfen" die Bürgerinnen und Bürger aber zahlen. Wie Bundesgelder für den District of Columbia ausgegeben werden, entscheidet jedoch der Kongress. Der Unmut darüber ist amerikanisch-öffentlich: "Taxation without Representation" heißt es auf den Nummernschildern, in etwa: "Besteuerung, ohne repräsentiert bzw. mitspracheberechtigt zu sein". Zurzeit wird darüber debattiert, ob diese unverhohlene Kritik in dieser Form noch sinnvoll ist. Eine neuer Text könnte ein Verb enthalten, etwa: "END Taxation without Representation".
Erst seit 1974 gibt es Bürgermeister und Stadtrat - und auch deren Entscheidungen werden vom Kongress geprüft. Der ist auch in ganz anderen Lebensbereichen sichtbar führend:
Während die Demokraten diesen Zustand ändern wollen, sperren sich die Republikaner. Ein bis heute politisch und gesellschaftlich höchst umstrittener Status also, ausgerechnet in der Stadt, die nächste Woche wie die Bundesstaaten den wohl wichtigsten demokratischen Bürgerrechts-Akt des Landes begeht: die Wahl des nächsten US-Präsidenten - oder -Präsidentin, samt möglicher, nicht ganz ernst zu nehmender Alternativen zu den gesetzten Kandidaten Clinton und Trump ...