Damit solche Desaster geschehen könnten, müssten häufig mehrere Faktoren zusammenkommen. Betrugsskandale würden durch eine bestimmte Unternehmenskultur gefördert, betonte Heidbrink, Gastprofessor am Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung und Corporate Governance an der Universität Witten-Herdecke. Konzerne, in denen eine eigenverantwortliche Unternehmenskultur fehle und Leistungszwänge sowie Erfolgsdruck im Vordergrund stünden, seien weitaus anfälliger für Korruption und Betrug. Das betreffe sowohl rechtliche als auch moralische Verfehlungen.
Solche Vorfälle, die in anderer Ausprägung auch bei Siemens und der Deutschen Bank zu beobachten gewesen seien, würden bewusst und absichtlich gemacht, um externe Auflagen und zu enge Entfaltungsmöglichkeit im Unternehmen zu umgehen. Eine Lehre für VW könne bestehen, so Heidbrink, den Mitarbeitern mehr Entscheidungsspielräume zuzugestehen, mehr Transparenz und Feedback zu etablieren.
Der wirtschaftliche Schaden für Deutschland werde sich in Grenzen halten, prophezeit der Philosoph. VW müsse nun den enormen finanziellen Schaden schultern, ohne dass viele Stellen gestrichen würden. Die Verantwortung der Politik sei ebenfalls von Bedeutung, fügte Heidbrink hinzu. Im Nachhinein sei es verblüffend, wie leicht sich verantwortliche Institutionen hinters Licht hätten führen lassen. Das vorrangige Interesse der Politik bestehe eben darin, deutsche Autos zu exportieren und sich gegen Konkurrenz Wettbewerbsvorteile zu verschaffen.
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