
Was sieht das Abkommen vor?
US-Präsident Trump will die Vereinbarung ausdrücklich als Gegenleistung für die Milliardenhilfen der USA an die Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges verstanden wissen. Die Vereinbarung sieht vor, dass die Erlöse aus dem Abbau von Bodenschätzen in der Ukraine in einen bilateralen Fonds für den Wiederaufbau des Landes fließen sollen. Der aktuelle Entwurf enthält aber nicht mehr den umstrittenen Vorschlag der Trump-Regierung, dass die Ukraine bis zu 500 Milliarden Dollar in den Fonds einzahlen soll - was Jahrzehnte gedauert hätte.
Stattdessen sollen die USA und die Ukraine laut einem ukrainischen Regierungsvertreter offenbar gemeinsam Eigentümer des Fonds werden. Die Ukraine würde in Zukunft 50 Prozent der Erlöse aus staatlichen Ressourcen, einschließlich Mineralien, Öl und Gas, beisteuern. Medienberichten zufolge soll der Fonds Projekte in der Ukraine finanzieren. Er sei losgelöst von den Einnahmen aus Rohstoffverkäufen, die schon jetzt in den Staatshaushalt fließen.
Die Osteuropa-Expertin des Deutschlandfunks, Sabine Adler, betont, es handle sich um ein Rahmenabkommen, in dem keinerlei konkrete Summe für den Fonds genannt werde und offen bleibe, welche Anteile die USA aus dem Fonds erhalten sollten. Bislang sei auch keine Rede von irgendwelchen militärischen Sicherheitsgarantien der USA für die Ukraine. Der ukrainische Präsident Selenskyj habe darum klar gestellt, dass in einem künftigen Abkommen mit konkreten Summen für den Fonds auch Sicherheitsgarantien enthalten sein müssten.
US-Finanzminister Bessent sprach im Vorfeld zumindest von einer impliziten Garantie, dass die Vereinigten Staaten von Amerika stark in die wirtschaftliche Zukunft investieren. Er nenne es eine wirtschaftliche Sicherheitsgarantie, sagte Bessent im US-Fernsehen.
Über welche Rohstoffe verfügt die Ukraine?
Die Ukraine ist reich an wertvollen Ressourcen. Forscher des französischen Büros für geologische und Bergbauforschung (BRGM) wiesen in einer 2023 veröffentlichten Studie insgesamt mehr als hundert verschiedene Bodenschätze in dem Land nach. Neben Erdgas, Öl und Kohle gibt es auch Eisen, Titan und Lithium. Bei mehreren Rohstoffen rangiert die Ukraine unter den zehn führenden Staaten der Welt. Nach Angaben des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages verfügt sie über rund fünf Prozent der weltweiten Mineralressourcen. 2022 war das Land der zehntgrößte Eisenproduzent der Welt.
Erdgas und Kohle
In der Ukraine gibt es nach Angaben der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) eine Billion Kubikmeter Erdgas. In Europa verfügt demnach nur Norwegen über noch größere Quellen. "Allerdings ist der Sektor ungenügend entwickelt", erklärt die BpB. Früher wurde Gas vor allem aus Sibirien bezogen, erst nach dem russischen Überfall habe sich die Ukraine vermehrt auf die eigenen Ressourcen konzentriert. Das wird durch den Krieg aber erschwert.
Ein weiteres Problem: Große Teile des Erdgases befinden sich in Gebieten, etwa auf der Krim oder im Schwarzen Meer, die mittlerweile von Russland besetzt sind. Das trifft auch auf Teile der Kohleproduktion und die Lagerung zu. Die Steinkohlereserven werden laut BpB auf 34 Milliarden Tonnen geschätzt - der zweitgrößte Wert Europas.
Kritische Rohstoffe
Sogenannte kritische Rohstoffe werden etwa für die Energie- und Mobilitätswende gebraucht und sind daher von großer strategischer Bedeutung für Europa und die Welt. Die Ukraine könnte laut EU-Industriekommissar Séjourné 21 von mehr als 30 kritischen Rohstoffen liefern. Die Mangan-Erz-Vorkommen in der Ukraine gehören mit 2,3 Milliarden Tonnen oder zwölf Prozent der globalen Reserven zu den größten der Welt. Auch bei Titan und Grafit liegt die Ukraine auf den vorderen Plätzen. Titan kommt in vielen Teilen des Landes vor, sowohl in den russisch besetzten Gebieten rund um Donezk und Mariupol als auch im Nordosten der Ukraine und um die Hauptstadt Kiew.
Eine wichtige Rolle könnte die Ukraine zudem beim Abbau von Lithium spielen, was insbesondere für den Bau von Batterien bei Elektroautos gebraucht wird. Die Regierung des Landes spricht von einem der größten Vorkommen in Europa. Allerdings wurde mit dem Abbau noch nicht begonnen. Lithium kommt in der Zentralukraine vor, aber auch in Teilen der von Russland besetzten Gebiete.
Nach Angaben des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages kann der Wert für Rohstoffe wie Titan, Eisen, Neon, Nickel und Lithium insgesamt zwischen drei und 11,5 Billionen Dollar (knapp elf Billionen Euro) liegen.
Seltene Erden
Bisher spielt die Ukraine bei den Seltenen Erden keine wichtige Rolle. Allerdings schlummern beachtliche Mengen dieser 17 besonders wertvollen Elemente in den Böden des Landes. Wichtig sind sie etwa für die Herstellung von Halbleitern und den Bau von E-Autos oder Smartphones. Aktuell dominiert China den Markt.
Große Mengen Seltener Erden werden in Gebieten bei Saporischschja, bei Donezk und um Dobra vermutet, also in oder zumindest in der Nähe von durch Russland besetzten Regionen. Nach Angaben der ukrainischen Regierung sind sechs Lagerstätten bekannt, für deren Erschließung Investitionen von 300 Millionen Dollar nötig wären. Der Aufwand des Abbaus und die Folgen für die Umwelt sind sehr hoch.
(Mit Agenturmaterial von AFP)
Diese Nachricht wurde am 28.02.2025 im Programm Deutschlandfunk gesendet.