Wer die eigenen Bürger vom eigenen Militär unter Beschuss nehmen lässt, ist in der Regel dankbar für Ablenkung von außen. So dürfte dem syrischen Präsidenten Bashir al Assad der 63. Jahrestag der Staatsgründung Israels mehr als gelegen gekommen sein. Während die Grenze zu Israel an jenem Tag ganz besonders streng bewacht wird, konnten Palästina-Sympathisanten sie dieses Mal ohne Probleme nehmen.
Auch an der Grenze zum Libanon kam es zu Auseinandersetzungen zwischen israelischen Grenzsoldaten und Palästina-Sympathisanten. Und auch im Westjordanland und im Gazastreifen kam es zu Zusammenstößen. Diese Bilder liefern den hinlänglich bekannten Hintergrund für eine ganz neue Form des Protestes gegen Israel, einen Protest, der vor allem auf die Kultur setzt.
Von der großen Öffentlichkeit noch wenig beachtet, hat sich vor allem im Westjordanland eine ganz neue Form der politischen Auseinandersetzung entwickelt, eine Form, die auf friedliche Mittel setzt. Und diese, erläutert der Historiker Hazem Jumjum, wirkt zunächst auf die Palästinenser selber zurück:
"Viele Institutionen widmen sich der Kultur als Form des Widerstands. Aber 'Widerstand' bedeutet nicht direkte Konfrontation. Eher versichern wir uns durch ihn unserer Identität. Es geht darum, das Leben in den Städten und Dörfern wiederzubeleben, alte orale Traditionen, Kindergeschichten, Wiegenlieder - all dies wollen wir wiederbeleben. Widerstand hieße also, diese alten Formen palästinensischer Identität wiederzugewinnen. Daran arbeiten derzeit sehr viele Menschen."
An ihr arbeitet auf seine Weise auch Marcel Khalife, der vielleicht populärsten Oud-, also Lautenspieler der arabischen Welt. Jahrelang komponierte er teils pathetische Lieder auf den palästinensischen Widerstand, doch seit einiger Zeit komponiert er vor allem Instrumentalmusik - Stücke nach Lyrik des kürzlich verstorbenen Dichters Mahmud Darwisch.
Das kann man programmatisch sehen: Denn Darwisch war einer der ersten Dichter, die auf Distanz zum forcierten palästinensischen Nationalismus gingen. "Ich habe die Sprache der blutigen Rituale gelernt, um die Regeln zu brechen", schrieb Darwisch in einem seiner Gedichte, und das heißt auch: die Regeln des gewaltgeprägten Diskurses. Skepis prägt seine Gedichte, eine Melancholie, die Marcel Khalife in Musik übersetzt hat.
"Ich las diese Gedichte und ließ mich von ihnen zu neuen Stücken inspirieren. Das heilte die Wunden, die durch die dauernde Gewalt entstanden waren. Ich entwickelte diese Idee weiter, bis daraus eine ganz neue, eigene Arbeit entstand. So hoffe ich, seiner Sprache durch die Musik eine neue Form gegeben zu haben."
Kultur als Mittel des politischen Protests heißt aber auch: Das Leben unter der Besatzung zu diskutieren. Auf dem Kunstfestival "Meeting Points" in Beirut hatten der palästinensische Schauspieler Hassan Kreidli und der ägyptische Regisseur Ahmed al Attar vor drei Wochen einen Text des britischen Dramatikers David Hare über die israelische Palästina-Politik auf die Bühne gebracht - in Form einer öffentlichen Probe. Hassan Kreidli:
"Das Theater ist das Leben. In ihm erzählen wir die Dinge, die wir erleben oder die uns beschäftigen. Allerdings bringen wir sie auf eine neue, ungewöhnliche Form auf die Bühne, nämlich als Probe. Das zeigt, dass die Dinge sich ständig entwickeln, darum auch ständig neu diskutiert werden müssen. Das Stück findet als Dialog zwischen Schauspieler und Regisseur statt, später dann als Diskussion mit dem Publikum. Erst über diese offene Form entsteht ein Dialog. Den bringt aber erst das Theater in Gang."
"Ich will mein Palästinensertum nicht", hat die junge Lyrikerin Maia Abu Al Hayat eines ihrer Gedichte überschrieben. Das war ein Appell, sich vom bewaffneten Kampf, jahrzehntelang die zentrale Form des palästinensischen Widerstands, nicht selbst zerstören zu lassen. Zeitgemäßer erscheint vielen Palästinenser der friedliche Protest.
Von ihm nehmen sie an, dass er sie zum ersten Mal auf Augenhöhe zum Nachbarn auf der anderen Seite der Mauer bringt.
Auch an der Grenze zum Libanon kam es zu Auseinandersetzungen zwischen israelischen Grenzsoldaten und Palästina-Sympathisanten. Und auch im Westjordanland und im Gazastreifen kam es zu Zusammenstößen. Diese Bilder liefern den hinlänglich bekannten Hintergrund für eine ganz neue Form des Protestes gegen Israel, einen Protest, der vor allem auf die Kultur setzt.
Von der großen Öffentlichkeit noch wenig beachtet, hat sich vor allem im Westjordanland eine ganz neue Form der politischen Auseinandersetzung entwickelt, eine Form, die auf friedliche Mittel setzt. Und diese, erläutert der Historiker Hazem Jumjum, wirkt zunächst auf die Palästinenser selber zurück:
"Viele Institutionen widmen sich der Kultur als Form des Widerstands. Aber 'Widerstand' bedeutet nicht direkte Konfrontation. Eher versichern wir uns durch ihn unserer Identität. Es geht darum, das Leben in den Städten und Dörfern wiederzubeleben, alte orale Traditionen, Kindergeschichten, Wiegenlieder - all dies wollen wir wiederbeleben. Widerstand hieße also, diese alten Formen palästinensischer Identität wiederzugewinnen. Daran arbeiten derzeit sehr viele Menschen."
An ihr arbeitet auf seine Weise auch Marcel Khalife, der vielleicht populärsten Oud-, also Lautenspieler der arabischen Welt. Jahrelang komponierte er teils pathetische Lieder auf den palästinensischen Widerstand, doch seit einiger Zeit komponiert er vor allem Instrumentalmusik - Stücke nach Lyrik des kürzlich verstorbenen Dichters Mahmud Darwisch.
Das kann man programmatisch sehen: Denn Darwisch war einer der ersten Dichter, die auf Distanz zum forcierten palästinensischen Nationalismus gingen. "Ich habe die Sprache der blutigen Rituale gelernt, um die Regeln zu brechen", schrieb Darwisch in einem seiner Gedichte, und das heißt auch: die Regeln des gewaltgeprägten Diskurses. Skepis prägt seine Gedichte, eine Melancholie, die Marcel Khalife in Musik übersetzt hat.
"Ich las diese Gedichte und ließ mich von ihnen zu neuen Stücken inspirieren. Das heilte die Wunden, die durch die dauernde Gewalt entstanden waren. Ich entwickelte diese Idee weiter, bis daraus eine ganz neue, eigene Arbeit entstand. So hoffe ich, seiner Sprache durch die Musik eine neue Form gegeben zu haben."
Kultur als Mittel des politischen Protests heißt aber auch: Das Leben unter der Besatzung zu diskutieren. Auf dem Kunstfestival "Meeting Points" in Beirut hatten der palästinensische Schauspieler Hassan Kreidli und der ägyptische Regisseur Ahmed al Attar vor drei Wochen einen Text des britischen Dramatikers David Hare über die israelische Palästina-Politik auf die Bühne gebracht - in Form einer öffentlichen Probe. Hassan Kreidli:
"Das Theater ist das Leben. In ihm erzählen wir die Dinge, die wir erleben oder die uns beschäftigen. Allerdings bringen wir sie auf eine neue, ungewöhnliche Form auf die Bühne, nämlich als Probe. Das zeigt, dass die Dinge sich ständig entwickeln, darum auch ständig neu diskutiert werden müssen. Das Stück findet als Dialog zwischen Schauspieler und Regisseur statt, später dann als Diskussion mit dem Publikum. Erst über diese offene Form entsteht ein Dialog. Den bringt aber erst das Theater in Gang."
"Ich will mein Palästinensertum nicht", hat die junge Lyrikerin Maia Abu Al Hayat eines ihrer Gedichte überschrieben. Das war ein Appell, sich vom bewaffneten Kampf, jahrzehntelang die zentrale Form des palästinensischen Widerstands, nicht selbst zerstören zu lassen. Zeitgemäßer erscheint vielen Palästinenser der friedliche Protest.
Von ihm nehmen sie an, dass er sie zum ersten Mal auf Augenhöhe zum Nachbarn auf der anderen Seite der Mauer bringt.